01.05.2026
Langsam haben wir die Abfahrt perfektioniert. Schon am Vorabend sind die meisten Dinge gepackt und müssen nur noch irgendwie im neuen Auto untergebracht werden. Der Opel ist zwar nur ein bisschen kleiner als der Volvo, aber bei dem Gepäckvolumen zählt jeder Zentimeter.
Glücklicherweise sind die Wetteraussichten positiv, so dass wir die Winterklamotten zu Hause lassen können.
Also packt Annika das Auto, während Clemen das Gyros vom Vorabend zum -frühstück ist. Es sollen ja keine Reste im Kühlschrank bleiben. Während Annika die eher befremdlich findet, lässt sich der Hund nicht lange bitten und bietet sein Hilfe an . beim Essen, nicht beim Packen! Letzteres findet er eher gruselig.
Noch schnell die restlichen Tiere versorgt und dann ist um 10.30 Abfahrt angesagt. Die Fahrt bei sommerlichem Wetter ist durchaus kurzweilig. Wir machen wie immer eine Rast vor der Storebelt Brücke und legen eine Gedenksekunde ein, als wir am Parkplatz des Todes (für den Volvo) vorbeifahren.
Da das schwedisches Brot nur so mäßig gut ist, machen wir noch einen Stopp in Downtown Helsingör. Hier laufen wir einmal die Einkaufstr. Auf und ab. Dabei ist James der große Star. Immer wieder wollen Leute ihn streicheln und sind voll des Lobes. So viel, dass er etwas eingeschüchtert ist. Aber die Gerüche sind trotzdem spannend. Clemens springt kurz in eine Bäckerei und besorgt Brot und dann geht es auch schon wieder ins sichere Auto. Aus der Innenstadt sind es nur wenige Meter zur Fähre und wenige Minuten später sind wir auch schon in Schweden. Diesmal interessiert sich niemand vom Zoll für den Hund. Dafür müssen unsere Ausweise und Annikas Führerschein näher betrachtet werden. Immerhin erfolgt bei uns keine Alkoholkontrolle – wie bei den meisten anderen in der Schlange. Am schwedischen Feiertag sind die dänischen Kneipen und Cafés wohl ein beliebtes Ausflugsziel.
Das Einchecken geht ganz fix. Da haben wir ja inzwischen Übung drin – und es ist eine wohltat nicht das gesamte Gepäck einzeln aufs Zimmer tragen zu müssen.
Wir sind irgendwie erschöpft, aber auch hungrig. Und so machen wir uns nach einer kurzen Pause aus zum „Old Times“. Plankstek wartet auf uns, dazu schwedisches Bier und vielleicht noch ein Nachtisch. Das haben wir uns verdient. Allerdings macht sich nach dem Essen die Müdigkeit noch mehr bemerkbar und so kehren wir bald wieder in unser Hotel zurück, wo der Hund artig gewartet hat und dafür ein kleines Stück Rinderfilet von Frauchen bekommt.
Es ist noch zu früh zum Schlafen und Hundi hatte auch zu wenig Bewegung. Also aufgerafft und los zu einem Törn auf der Halbinsel Oceanhamn, auf der unser Hotel liegt. Aus einem ehemaligen Industriehafen haben sie hier ein modernes Wohnviertel geschaffen, dass sich perfekt in die Hafenindustrie einpasst und trotzdem sehr wohnlich wirkt.
Lange halten wir trotzdem nicht mehr durch, schlüpfen schließlich unter unsere Bettdecken und schlummern friedlich ein – mit den Gedanken bereits beim leckeren Frühstücksbuffet am nächsten Morgen.
02.05.2026
An diesem Tag sollte noch sehr viel Blut fließen!!! Aber von Anfang an…
Nach dem gestrigen Anreisetag nach Helsingborg steht heute die letzte Etappe bis nach Hagstad am Åsnen auf dem Reiseplan. Da diese mit nur gut 2 Stunden Fahrtzeit verbunden ist, wir aber erst ab 15 Uhr ins Haus können, lassen wir den Tag langsam angehen.
Erst eine kleine Runde mit James um das Hotel, dann ein ausgiebiges Frühstück. Da wir letzteres im Januar nicht wirklich genießen konnten, holen wir alles heute nach. Von Rührei mit Baked Beans uns Speck, über Brötchen und Knäckebrot mit verschiedenen Belägen sowie Joghurt und Obstsalat bis hin Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade und schwedischer Sahne ist alles dabei. Wir schlemmen uns einmal queer durch den Frühstücksraum.
Wieder im Zimmer merken wir, dass der Kaffee zwar so stark war, dass er Tote hätte wieder auferstehen lassen können, wir aber trotzdem noch ziemlich fertig sind von der Fahrt. Daher ruhen wir noch ein Wenig und nutzen die Tatsache aus, dass wir erst um 12 das Zimmer verlassen müssen.
Dann geht es aber weiter. Das gute Wetter und die Aussicht auf die Terrasse am Häuschen locken! Den obligatorischen Abstecher zum ICA in Ljungby machen wir aber trotzdem. Auch wenn das Auto aus allen Nähten platzt und der Großeinkauf daher auf abends in Växjo verschoben werden muss, benötigen wir zur Überbrückung Kaffee und Kuchen. Auch Hundefutter, das Annika in Roikier vergessen hat, soll besorgt werden.
Die Außentemperatur hat mittlerweile die 24°C erreicht, deshalb bleibt Clemens mit James im Auto und Annika springt schnell in den Laden. Beim Bezahlen merkt sie, dass sie an alles gedacht hat – nur nicht an den Kaffee. Tolle Wurst. Also die Sachen zum Auto gebracht und nochmal rein. Diesen Part übernimmt nun Clemens, währen Annika mit James im Schatten etwas auf und ab geht. Der Hund hat dazu aber wie immer keine Ruhe und so suchen sie einen strategisch günstigen Platz im Schatten, von wo aus James stur gen Eingang blicken und auf Herrchen warten kann.
Endlich, nach gefühlten Stunden (für den Hund), erscheint er wieder in der Drehtür. Aber was macht er da? Hastig stellt er den Einkauf ab und eilt zu etwas auf dem Boden liegenden. Dann erkennt auch Annika etwas – da liegt einer ab Boden. Ein älterer Herr ist mit seinem kleinen E-Mobil umgekippt. Annika schnappt sich aus dem Auto den Verbandskasten und stößt auf die kleine Gruppe aus zwei Frauen und einem weiteren Mann dazu, um bei der Ersten Hilfe zu helfen. Der Mann hat eine Platzwunde am Handrücken, aus der es stark blutet.
Da er in der prallen Sonne liegt, besorgt eine ICA Mitarbeiterin Regenschirme zum Abschatten und feuchte Tücher zum kühlen, die zweite Frau telefoniert mit der Ambulanz und Annika bekommt mit, dass die wohl erst gar nicht für eine solche Lappalie kommen will – ein Hoch auf das Schwedische Gesundheitssystem – und erst nachdem die Dame druck macht und der Herr artig seine zehnstellige Personennummer in das Telefon diktiert, wird ein Krankenwagen losgeschickt.
Annika versuch bereits mit Handschuhen, Desinfektionsmille und Verbandsmaterial die Wunde zu versorgen (eine Mitarbeiterin aus der Apotheke hatte kurz vorher irgendwelche unsterilen Wattepads auf die Wunde geklatscht, was zwar gut gemeint aber definitiv nicht förderlich war), wird aber sehr bestimmt von der Dame mit dem Telefon davon abgehalten und bekommt erst einmal einen ausführlichen Bericht darüber, wie wichtig es doch sei, dass man Wunden ausbluten lassen müsse, weil sonst der Schmutz zu einer Blutvergiftung führe. Im Prinzip ist das auch nicht komplett verkehrt, aber bei der Größe der Wunde und der Menge und Intensität an Blut, das aus dieser hervor kommt in Verbindung mit dem Alter des Herren, vermutet Annika, dass der Mann Blutverdünner nimmt und es daher doch schlauer wäre, die Blutung steril zumindest einzudämmen, bis die Ambulanz da ist.
Das auf Schwedisch zu erklären, übersteigt allerdings dann doch Annikas Fähigkeiten und so gibt sie nur den Hinweis, dass sie zwar keine Ärztin, aber immerhin doch Tierärztin sei und sich mit Wundversorgung auskenne. Das quittiert die andere Frau jedoch lediglich mit „Na, dann solltest Du das mit der Blutvergiftung doch wissen“ und Annika gibt schließlich auf. Der Wille zum Helfen war da. Sie verabschiedet sich und wünscht dem Herrn alles Gute.
Als wir den Parkplatz verlassen, kommt zum Glück die Ambulanz gerade angefahren, was und beide dann doch beruhigt. Auch wenn es sich um nichts lebensbedrohliches gehandelt hat, ist es doch gut zu wissen, dass dem Herrn schnell geholfen wird. Ob die Sanitäter eine Wundversorgung vornehmen dürfen oder sich auch erst einmal einen Vortrag von der Frau anhören müssen, bleibt reine Spekulation.
Kurz vor drei erreichen wir unser Haus und sind froh, dass wir uns bei einer Fika stärken können. Auch der Hund ist seelig, bekommt er doch sein neues Spielzeug und peest damit wie ein Derwisch durch den Garten.
Zu Clemens großem Glück zeigt sich gleich das Trauerschnäpperpäärchen. Ach, ist das herrlich hier! Wir genießen die Zeit. Außer einem Vogelkonzert und dem gelegentlichen Singsang einer Kettensäge in der Ferne ist es hier still, und so fällt es uns schwer, uns Aufzuraffen und nach Växjö zu fahren. Aber es steht ja noch der Großeinkauf an.
Zwei Stunden und einen laaaaangen Einkaufsbon später sind wir zurück am Haus, schnappen uns nur schnell den Hund und fahren zum Sonnenuntergang einmal kurz an den See. Auch dort ist es wie immer wunderbar ruhig, so ruhig, dass sich außer einer Ente und reichlich gigantisch großen Mücken kein Tier blicken lässt.
Auch gut, gibt es halt jetzt Abendessen. Wie sollte es anders sein, kocht Annika die traditionelle Erster-Tag-Bolognese, die wir, trotz fortgeschrittener Stunde draußen genießen.
Den Tagesabschluss machen zwei Runden Hitster mit dem ausgeglichenen Ergebnis 1:1. So lässt es sich doch versöhnlich in den nächsten Tag schlummern!
Fortsetzung folgt...