21.08.2026
Noch einen halben Tag arbeiten, dann geht es endlich los. Annikas Opel ist bereits gepackt, es müssen nur noch die E-Bikes aufgeladen werden und es heißt Abfahrt. Trotz der zusätzlich angeschafften Dachbox platzt das Auto mal wieder aus allen Nähten. Aber was wäre auch ein Urlaub ohne Erwachsenen-Tetris?!
Neu dabei ist neben den E-Bikes eben auch der Fahrradanhänger für den Hund. Auch wenn er faltbar ist, nimmt er doch einiges an Platz weg.
Punkt 12 lassen Clemens den Kugelschreiber und Annika das Skalpell fallen und eilen nach Roikier. Der Plan ist es, dass wie um 14 Uhr vom Hof kommen, da wir für den ersten Abend bereits einen Tisch bestellt haben und den gilt es natürlich pünktlich zu bekommen!
So werden noch die allerletzten Sachen verstaut, die Tiere ein letztes Mal versorgt und der Fahrradträger samt Rädern montiert.
Um 13.59 Uhr rollen wir die Auffahrt runter. Es ist zwar ungewöhnlich für uns, dass wir einen Zeitplan einhalten, aber wer sind wir, dass wir uns darüber beklagen würden.
Unser erstes Etappenziel heißt Hotel Jutlandica und liegt im Dänischen Frederikshavn. Von dort soll es dann am Folgetag morgens mit der Fähre weiter nach Göteborg und schließlich in die Nähe vom Tiveden Nationalpark gehen. Einen Tisch haben wir im „Frieda“ für 19.30 reserviert, wo schon ein fantastischen Bratenbuffet auf uns wartet.
Dir Fahrt ist weitestgehend unspektakulär. Nur die kurze Anzeige vom Opel „Wartung Getriebe“ mitten auf der Autobahn lässt zumindest Annika etwas nervös werden. Kommen doch unschöne Erinnerungen an den vorletzten Urlaub wieder hoch. Also schnell man bei unserer Werkstatt in Ringsberg angerufen. Die gibt erstmal Entwarnung und so setzten wir unsere Fahr fröhlich fort.
Trotz der 45 Minuten, die wir durch diverse Baustellenstaus verlieren, kommen wir rechtzeitig im Hotel an. Nach einem kurzen Frischmachpause ziehen wir los zum Restaurant, das sage und schreibe keine 100m vom Hotel weg ist.
Wir genießen und da wir noch nicht so recht im Urlaubsmodus sind, fällt Annika erst beim spät ein, dass wir ja Fotos für unser Tagebuch brauchen. So müsst Ihr uns einfach glauben, dass es fantastisch geschmeckt hat. Der Hund, der artig wie immer im Hotel wartet, bekommt natürlich auch ne mitgebrachte Kleinigkeit ab.
Dann geht es noch einmal raus an den Hafen. Wir alle müssen uns dringend nochmal die Beine vertreten. Und so flanieren wir noch ein Stündchen zwischen gigantischen Tankern und kleinen Barkassen, neueren Schiffen und Schiffsskeletten umher.
Aber dann ruft das Bett, denn der Wecker klingelt um 6.30 Uhr.
22.08.2026
Der Wecker klingelt um 06:30 Uhr, aber eigentlich sind wir beide schon eine ganze Weile wach. Selbst der Hund ist vom Bettende aufgerückt und hat seit geraumer Zeit Streicheleinheiten eingefordert. Zwar weiß er, das gemeinsame Touren mit viel Gepäck immer lustig werden, aber etwas komisch ist es doch.
Ärgerlicherweise gibt es an Wochenenden erst ab 07:00 Uhr Frühstück. Da wir um 07:30 spätestens am Fähranleger sein sollen, muss das also ausfallen. Also nur schnell unter die Dusche, fix gepackt und dann los auf den Parkplatz, um den Opel aus der viel zu engen Parklücke zu bugsieren.
So ganz gut organisiert und geplant sind wir allerdings noch nicht und so dauert es etwas, bis wir unser Fährgepäck beisammenhaben. Die Fahrt selber ist sehr unspektakulär. Jeder Hund hat (gemeinsam mit seiner Familie – was ein Glück) einen Tisch zugewiesen, so dass wir einfach unsere festen Plätze einnehmen. Am Nebentisch sitzt allerdings ein Spitz, der von Frederikshavn bis Göteborg (und sicher noch darüber hinaus) jault, winselt und in schrillem Ton kläfft. Das findet selbst James nervig, der sich aber erfreulicherweise für andere Hunde nicht interessiert und friedlich unterm Tisch schläft. Ab und an muss er dann doch mal auf den Schoss und verlangt natürlich auch seinen Anteil vom Frühstück (Käsebrötchen und Puddingteilchen).
Durch Göteborg geht es diesmal recht schnell (im letzten Herbst hat das ja nur mäßig gut geklappt – siehe Tagebuch vom Okt 2025). Nach einer knappen Stunde geht’s in Allingsaas noch schnell in den örtlichen ICA Maxi, um die notwenige Erstausstattung zu kaufen. Natürlich gibt es traditionsgemäß am ersten Tag Spaghetti Bolognese. Mit vollem Einkaufswagen kehren wir zurück zum Auto und da fragen wir uns, wo der ganze Einkauf eigentlich untergebracht werden soll. Das Auto ist bis unters Dach beladen. Irgendwie schaffen wir es aber doch und die Fahrt geht weiter.
Gegen 16 Uhr erreichen wir das Haus, das ziemlich abgelegen auf einer Lichtung im Wald liegt und sind überwältigt. Ein frischrenovierter alter Hof mit Wohnhaus und Scheune auf einem fantastischen Grundstück mit Seeblick. Einfach wundervoll.
Da wir beide noch sehr unfit sind, räumen wir erstmal ein und inspizieren die nähere Umgebung des Hauses. Wir stellen fest: Hier lässt es sich ganz sicher die nächsten zwei Wochen verbringen! Dann gibt es besagte Spaghetti Bolognese, wir lauschen noch etwas in die Finsternis, ob wir vielleicht Eulen hören, schreiben Tagebuch und gehen dann früh zu Bett. Der Hund ist schließlich sehr, sehr müde.
23.08.2026
Aus schier unerfindlichen Gründen sind wir im Urlaub immer früher hoch als zu Hause – zumindest die ersten Tage. So steht Annika bereits um 6.55 Uhr in der Küche und setzt den ersten Kaffee auf. Auf diese Weise starten wir langsam und gemütlich in den Tag. Zum Frühstücken auf der Terrasse ist es und noch zu kalt, aber sobald die Sonne um die Ecke kommt, zieht es uns nach draußen.
In der Senke um unser Grundstück wimmelt es von Vögeln und Insekten. Und überall blühen Wildblumen um das Grundstück. Diese Gelegenheit können wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so schnappen wir uns unsere Fotoapparate und machen ein lustiges Pflanzenshooting. Und schon bald haben wir gigantisch viele neue Freunde: winzige Mücken umschwirren uns bluthungrig. Da versagt sogar AnntiBrumm an der einen oder anderen Stelle. Dummerweise hat Annika das extra im letzten Jahr angeschaffte Mückenschutznetz zu Hause nicht mehr gefunden. Das kommt davon, wenn man einmal ordentlich sein will und Sachen gut wegpackt…
Aber wir lassen uns die Fotografie nicht von den Plagegeistern vermiesen und es kommen ein paar ansehnliche Fotos von Flora und Fauna bei raus. Zudem vermuten wir einen Marder auf dem Grundstück, da wir nicht nur Losung von ihm finden, sondern auch vermutlich die Überreste seines Snacks: eine angefressene Blindschleiche.
Gegen Mittag wollen wir dann die nähere Umgebung etwas inspizieren. Unterhalb unseres Grundstücks liegt parallel zur Hauptstraße der Touristvägen, ein Schotterweg direkt am Seeufer des Unden. Wir laufen dort etwas entlang und der Hund freut sich, dass er ein bisschen flitzen und schnüffeln kann. Blöd nur, dann man nicht direkt ans Wasser kommt, denkt er. Aber wir sind ja nett und machen extra für den Hund an einer Stelle halt, an der eine Kanueinsetzstelle ist. Und was zaubert Annika aus der Tasche? Richtig, einen Schwimmball. So kann der Hund doch noch seinem liebsten nachgehen und im Wasser spielen.
Auf dem Rückweg treffen wir dann noch eine Zauneidechse beim Sonnenbad und mehrere schöne Raupen, die, wenn sie sich verwandelt haben, zu unscheinbaren Nachtfaltern werden.
Nach einem kleinen Mittagessen mit Bologneseresten machen wir eine kurze Siesta. Doch nicht lange danach zieht es uns in die große Stadt. Naja, das ist vielleicht übertrieben, aber wir wollen nach Askaban - nein Askersund! – zum ICA. Der gestrige Großeinkauf diente mehr der Grundversorgung, nun geht es an die Essensplanung für die kommenden Tage. Wir besorgen das Nötigste und machen uns dann auf den Heimweg. Auf Annikas Frage hin, ober wir einen kleinen Umweg über landschaftlich ansprechendere Wege als die Hauptstraße machen sollen, antwortet Clemens unvorsichtigerweise mit ja.
Das GoogleMaps-Orakel schlägt einen Weg vor und Annika folgt ihm. Wir fahren von einer Schotterstraße zur nächste, die „Straße“ wird immer enger und abenteuerlicher. Irgendwann finden wir uns auf einen sehr schmalen Weg mit zwei Fahrspuren und hohen Bewuchs drum herum wieder. Das GPS-Signal ist schon lange ausgefallen und wir hoffen einfach nur, dass wir nicht irgendwann vor einer Schranke stehen. Denn Wenden ist hier unmöglich. Also Augen zu und weiter. Und tatsächlich kommen wir irgendwann auch wieder auf größere Wege. Als wir schließlich endlich auf die 503 abbiegen, ist das Abenteuer vorüber. Der Opel hat den Weg tapfer gemeistert, trotz einiger fieser
Steigungen und Abfahrten und dem doch teils sehr unwegsamen Gelände. Tapferes Autochen!!!
Auf die Frage von Clemens an Annika, ob sie diesen Weg auch gefahren wäre, wenn sie vorher gewusst hätte, wie die Wege aussehen, antwortet sie nach kurzem Zögern: Vermutlich nicht.
Wieder zu Hause werden wir frenetisch vom Hund begrüßt. Da seine Bewegung heute noch nicht ganz so viel war, beschließt Annika, sich aufs Rad zu schwingen und mit James eine Runde zu fahren. Sie sucht sich eine Waldstrecke rund ums Haus aus und dann geht es los. Der Hund darf freilaufen und nutzt dies auch ausgiebig aus, indem zwischen Schnüffeln und Rennen stetig wechselt. Es ist keine Riesenrunde, aber es macht beiden Spaß. Nach einer halben Stunde sind sie wieder am Haus, wo bereits Clemens auf sie wartet.
Der hat in der Zeit sein Tele gezückt und unsere Hausricke mit ihren zwei Kitzen fotografiert.
Nun überkommt uns aber doch der Hunger. Und da heute Schwedens „Köttbullardagen“ ist, essen wir selbstverständlich auch dieses Nationalgericht.
Danach geht es ab ins Bett, er tag hat früh begonnen und endet auch früh. Morgen wollen wir einen Ausflug zum Fagertärn machen.
24.08.2026
Wieder wachen wir früh auf. Das Frühstück nehmen wir heute auf der Terrasse ein. Da die Sonne allerdings noch nicht weit genug herumgekommen ist, ist es etwas fröstelig beim Essen. Als wir es in naher Entfernung knacken und rascheln hören, wissen wir sofort: Unsere Rehfreunde sind wieder da! Also nix wie hin zur Kamera.
Anschließend fahren wir wie geplant zum Fagertärn. Die Strecke führt uns wie schon gewohnt über Schotterstraßen quer durch die Schwedischen Wälder. Die Farbenvielfalt zu dieser Jahreszeit ist einfach atemberaubend: die bunten Wildblumen mischen sich mit dem spätsommerlichen Heidekraut und dem bereits in Herbstfärbung befindlichen Farn. Es ist eine reine Farbexplosion, die wir uns einfach nicht entgehen lassen können. Clemens nimmt sich die Blumen vor, Annika schickt den Hund von A nach B. Leider ist das Mittagslicht einfach zu hart für schöne Hundeaufnahmen. Wir nehmen uns vor, die Tage zur goldenen Stunde noch einmal wiederzukommen.
Am Seeparkplatz angekommen steht nur ein einziges weiteres Auto da. Das sind schonmal gute Voraussetzungen. Die Besonderheit an diesem Ort ist, dass hier eine weltweit einmalige Mutation von Seerosen gibt. Die sonst weißen Blüten sind hier von blassrosa bis zu knallig Pink vertreten. Darauf eine Libelle oder ein Frosch, vielleicht auch eine Ringelnatter, die zwischen den Blüten umher schwimmt – das wäre ein Träumchen.
Dieses Träumchen platzt dann aber sehr schnell, als wir an der Infotafel lesen müssen, dass Bieber sich über die Pflanzen hergemacht haben und es unsicher ist, ob der Bestand überhaupt überlebt hat. Und so ist es dann auch, es sind zwar noch Blätter vorhanden, aber bei Weitem nicht mehr in der imposanten Menge. Und auch von Blüten ist keine Spur mehr. Zwar sind wir schon etwas spät unterwegs, trotzdem hätte es noch vereinzelte Exemplare geben müssen. Schade eigentlich.
So müssen wir uns auf andere mögliche Fotomotive konzentrieren und die kommen natürlich auch. Vor allem die zahlreichen Libellen lassen sich gerne ablichten, aber auch die Flora setzt schöne Farbakzente. Und der Hund darf auch nochmal ran. So schaffen wir es, für rund 2km gute 1 ½ Stunden zu brauchen.
Dann ruft sich unser Magen in Erinnerung. Schwedisches Brot ist zwar lecker, aber nicht besonders lange sättigend. Und da zu Hause auf uns noch Reste von Gestern warten, geben wir unseren knurrenden Mägen nach und fahren wieder nach Hause.
Nach dem Essen werden dann die Bilder bearbeitet. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Ausbeute.
Da sowohl James als auch wir noch ein bisschen Bewegung gebrauchen können. Schwingen wir uns zum späten Nachmittag auf unsere Räder und drehen eine Runde durch den Wald. Vor allem James macht dabei ordentlich Tempo. 21km/h läuft er in der Spitze. Zwei, drei recht steile Anstiege sind dabei, so dass wir doch ins Schwitzen kommen (da es ja ein Training sein soll, fahren wir in ECO-Modus, also mit der kleinstmöglichen Unterstützung). So fahren wir die gut 9km in 42 Minuten und haben uns alle unser Abendessen redlich verdient.
Währens Annika schnippelt, schaut Clemens noch mal nach unseren Rehen. Und tatsächlich, die Ricke mit den Kitzen äst wieder gemütlich an „unserem“ Hang. Das Essen muss also noch etwas warten, es wird erstmal fotografiert.
Schließlich haben wir aber doch dampfende Teller vor uns, gefüllt mit leckeren Tortellini und Gemüse. Der Hund bekommt etwas Streukäse über sein Futter. Er soll ja auch nicht leben wie ein Hund!
Wohl gesättigt spielen wir noch ein paar Runde Rummikub und schreiben Tagebuch. Dann geht es ins Bett, morgen haben wir einen größeren Ausflug vor und wollen zeitig dafür los. Mit dem momentanen inneren Wecker sollte dies kein Problem sein.
25.08.2026
Heute ist mal alles anders. Während Clemens noch selig schlummert, steht Annika vor 7 auf, um Kaffee zu kochen und Brote zu schmieren.
Schließlich soll es heute in den Garphyttan Nationalpark gehen, der in der Nähe der schwedischen Stadt Örebro liegt. Da wir ohnehin noch ein paar Einkäufe tätigen müssen (u.a. braucht Annika einen neuen Mückenschutzhut, da der alte in Roikier unauffindbar war) wollen wir die Tour mit einem Picknick verbinden. Der Garphyttan Nationalpark bietet sich dafür förmlich an. Der Park besteht aus einer alten Hofanlage, die in Schuss gehalten wird, um die Kulturlandschaft mit Flora und Fauna zu erhalten. Entsprechend klein ist der Nationalpark, aber das stört uns keineswegs. Sind wir doch heute etwas gemütlich unterwegs. Und vielleicht haben wir ja diesmal Glück und erspähen den Tannenhäher, der hier lebt und der sich auf unserer letzten Tour (Herbst 2025) nicht hat blicken lassen.
Für die Hinfahrt hat Annika einen besonders schönen Weg ausgesucht. Es geht durch Wald und kleine Siedlungen und ist sehr idyllisch. Leider auch sehr kurvig, so dass Clemens 1-2 Auszeiten braucht, da ihm das Geschaukel auf den Magen schlägt.
Aber Frühstück geht immer und im Park angekommen gibt es erstmal einen Kaffee. Danach sieht die Welt schon ganz anders aus.
Also packen wir unsere sieben Sachen und ziehen los. Die Natur im Park ist unspektakulär, aber wunderschön. Überall leuchten die Beeren des Maiglöckchens und Farn und Blaubeeren schillern in den schönsten Farben. Weiter oben im Park stehen riesige Tannen, von denen einige in der Mitte durchgebrochen sind. Hat hier ein Sturm gewütet? Nein, die Bäume wurden gesprengt, um den Wald in seiner natürlichen Struktur zu erhalten. Immer mal was Neues.
Schon fast am Auto angekommen, vor der letzten großen Wiese landet plötzlich etwas im Baum vor uns. Ist das etwa? JA genau, ein Tannenhäher. Beseelt setzen wir uns auf eine Bank und beobachten 5-6 Tiere, die immer wieder über uns hin und her flattern. An Fotos ist bei den Abständen nicht zu denken. Trotzdem ein tolles Erlebnis.
Auf dem Rückweg wird dann noch kurz eingekauft. Neben den Waren des täglichen Bedarfs gibt es jeweils eine Schüssel von der Salatbar zum Mittagessen. Einkaufen müssen wir dabei abwechselnd, da der Hund mit ist und es im abgeschlossenen Wagen zu warm ist. Dann geht es auch schon wieder nach Hause zu Mittagessen und kurzer Siesta. War ja schließlich recht früh heute Morgen.
Heute Abend wird gegrillt. Leider haben wir Grillsaucen vergessen und fahren deshalb noch mal kurz nach Finnerödja in einen kleinen Supermarkt, der die Bezeichnung klein allerdings wirklich verdient hat. Aber sie haben Grillsaucen im Angebot und weil wir eh schon unterwegs sind, fahren wir noch kurz nach Sandviken, einem Badestrand am Skagern. Hier kommt vor allem der Hund auf seine Kosten und jagt sein Stöckchen quer durch den See.
Rechtschafen Müde geht es dann wieder nach Hause zum Grillen und Tagebuchschreiben.
Sowohl Spareribs als auch Satéspieße schmecken köstlich (so sagen auch Experten, die praktischerweise unter dem Tisch angesiedelt sind) und wir genießen den Blick auf den See und den aufgehenden Mond. Fledermäuse flattern über uns und das Idyll wäre perfekt, wären da nicht die Mücken und so 5-6 Grad zu wenig. Also heben wir die Tafel auf, räumen noch etwas auf und ziehen uns in unsere Gemächer zurück.
26.08.2026
Für heute ist ein ruhiger Vormittag geplant. Das Wetter ist herrlich und lädt zum Frühstück wieder auf die Terrasse ein. Anschließend macht sich Annika an ein Pflichtprogramm. Um im Urlaub nicht ganz auf Arbeit verzichten zu müssen (das wäre ja schier furchtbar), hat sie sich Buchhaltungsunterlagen mitgenommen. So sitzt sie und bucht vor sich hin.
Währenddessen schlägt sich Clemens noch einmal mit der Kamera in die Gartenbotanik. Zielobjekt sind die vielen Grashüpfer hier. Schnell wir er fündig und auch eine Lederwanze modelt perfekt für ihn.
Von diesem Fotoerfolg angespornt zieht er gen Mittag runter zum See an die Stelle, wo wir die Eidechse am ersten Tag gesehen hatten. Und auch hier Erfolg auf ganzer Linie. Zwei Waldeidechsen sonnen sich auf den Steinen. Trotz Ihrer Scheu gelingen auch hier schöne Bilder.
Als Clemens am frühen Nachmittag wieder am Haus ist, beschließt Annika, dass sie für heute keine Lust mehr auf Buchhaltung hat, und es gibt einen kleinen Mittagssnack aus Resten.
Nach einer kleinen Pause finden wir plötzlich einen Bagger auf unserem Grundstück stehen. Bereits seit Montag setzt der Hausbesitzer mit Kollegen rund um das Grundstück Zaunpfähle. Und das mit schwerem Gerät, anders ist es bei dem felsigen Boden nicht möglich. Aber eigentlich war die Ansage, dass sie nicht am Haus arbeiten. Naja, schauen wir mal…
Nun aber los. Wir wollen eine Fahrradrunde am Östra Laxsjö machen. 20km soll die Strecke sein, wir nehmen also auch den Hundeanhänger mit. Es geht erst einmal entlang des Sees mit wunderschönen Badestellen, an denen trotz der bereits fortgeschrittenen Stunde noch reger Betrieb ist. Danach führt der Weg über Schotterstaßen und Kieswege durch den Wald – und hat dabei einige heftige Steigungen und Abfahrten in petto. Annika kommt trotz Turboantrieb ganz schon aus der Puste, ziehen die 15kg Anhänger (ohne Hund) sie doch immer wieder nach hinten. Bei den entsprechenden Abfahrten muss sie dann sogar absteigen und schieben, da es durch den Schub auf dem groben Schotter zu gefährlich wird zu fahren. Die Männer düsen derweil munter voraus.
Die Strecke ist anstrengend, aber wunderschön. Nach 2/3 der Strecke machen wir eine kurze Trinkpause. Plötzlich ertönt ein uns wohlbekannter Ruf: ein Fischadler muss direkt vor uns in den Bäumen sitzen. Wegen des dichten Laubes entdecken wir ihn leider nicht, aber sein Ruf ist einfach unverkennbar.
Die letzte Etappe ist dann leider nicht mehr so schön. Sie führt entlang der Bundesstraße 205. Während der Trinkpause donnerten bereits mehrere 40tonner an uns vorbei. Der Hund kommt aus Sicherheitsgründen (und auch, weil er die bereits gelaufenen 15km in hohem Tempo hinter sich gebracht hat) in den Hänger. Er findet es nicht toll, ergibt sich aber seinem Schicksal. Dann geht es los – Augen zu und durch. Im Turbogang geht es zurück zum Auto und wir holen alles raus, was dir Räder hergeben, und der Hänger zulässt. Und wir haben Glück: bis auf zwei Autos (die es nicht für nötig halten ihre Geschwindigkeit beim Vorbeifahren etwas zu drosseln) werden wir von nichts überholt. Der Seeblick zur goldenen Stunde entschädigt dann auch noch zusätzlich.
Man kann zusammenfassen: Schweden ist definitiv kein Land für Radtouristen. Auch wenn es wundervolle Wege hier gibt, die Notwendigkeit der Fahrten auf Bundesstraßen ist – zumindest mit Hund - nicht gerade schön.
Aber lassen wir uns davon abhalten? Natürlich nicht. Denn für morgen ist schon die nächste Tour geplant, allerdings dann ohne Hund.
Auf dem Rückweg nach Hause sind wir vor allem eins: hungrig! Aber der Mond scheint so eindrucksvoll, dass wir an einem kleineren See doch nochmal anhalten und ihn fotografieren müssen.
Dann aber schnell. Annika kocht Spaghetti mit cremiger Flusskrebssauce. Ein Rezept, was ihr vor ein paar Tagen auf Instagram auf einem schwedischen Kochkanal vorgeschlagen wurde. Während des Kochens muss allerding eine kleine Notpause eingelegt werden. Das neue Messer zeigt, dass es wirklich wirklich scharf ist! Tja, man gut, Frau haut diesmal eine umfangreiche Erst-Hilfe-Kiste mit. Mit Druckverband und nach Beseitigung der Blutflecken geht es dann aber weiter und wir lassen uns das Essen schmecken. Der Hund ist doch tatsächlich zu müde zum Essen. Er liegt platt auf der Seite und läuft den Weg noch einmal im Schlaf ab.
Es ist Zeit für das Bettchen. Das Schreiben des Tagebuchs verschieben wir auf morgen. Gute Nacht!
27.08.2026
Wieder bricht ein schöner Tag an, an dem wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt werden. Aber irgendetwas ist anders. Der Blick aus dem Badezimmer, das keine Gardinen hat, zeigt, dass unmittelbar vor dem Haus Bauarbeiter stehen und ein Bagger, der wohl dazu gedacht ist, Zaunpfähle zu setzen. Der Vermieter hatte uns angekündigt, dass er dieses machen wollte, allerdings mit dem Zusatz, dass die Arbeiten abseits des Hauses stattfinden werden. Definiere Nähe…
Ab 07:30 Uhr stehen also mehrere Fahrzeuge nur wenige Meter vom Grundstück entfernt und der Bagger legt dann auch gleich los. Keine 25 m von unserer Terrasse entfernt. Als wir den Vermieter anschreiben und darauf hinweise, dass eine Info vielleicht gut gewesen wäre, kam als knappe Antwort nur, dass die Arbeiten seit langem feststanden, dass er jetzt Helfer dafür hätte und dass wir doch unsere Zustimmung gegeben haben, als er am Sonntag auf Arbeiten fernab des Hauses hingewiesen hatte. Und was uns überhaupt an der Situation stören würde. Wir weisen darauf hin, dass Lärm, freie Sicht auf Badezimmer und Toilette und ein Bagger direkt vor der Terrasse halt nicht unsere Vorstellung von Abgeschiedenheit wären, mit dem dieses Haus beworben wurde. Darauf hin nur die knappe Antwort, dass alle anderen seiner Mieter tagsüber gar nicht zu Hause wären und statt uns im Haus aufzuhalten, sollten wir doch lieber im Tiveden wandern gehen. Da sei es schließlich so schön. Wir beschließen die Konversation abzubrechen und streichen die geplante Buchung im Januar aus unseren Köpfen. Wir geben auch ungern schlechte Bewertungen ab, aber hier ist dieses wohl angebracht. Wer Gäste bekommen möchte, soll sie auch als solche behandeln. Das kennen wir deutlich anders von den anderen Häusern, in denen wir regelmäßig zu Gast sind. Letztendlich ist Clemens froh, dass er die Makro-Foto-Session gestern gemacht hat, da jetzt sicherlich nicht mehr viel vom Kleintier-Idyll auf dem Hofplatz übrig ist.
Nach dem Frühstück (was wir trotz Sonne drinnen zu uns genommen haben), geht es erstmal an den Unden zu einer kleinen Erkundungstour. Nicht lang, aber schön durch den Wald und am See entlang.
Nachmittags geht es dann nach Mariestad, wo eine längere Radtour auf uns wartet. Der Hund hat heute allerdings frei, da ihn die längere Tour am gestrigen Tage doch zugesetzt hat und er etwas „unrund“ läuft. Die Tierärztin hat deshalb Schonung verordnet.
In Mariestad (das wir von den letzten Campertouren kennen) geht es dann auf unseren zentral gelegenen Parkplatz, der sich für lange Gefährte anbietet. (Opel und Fahrradträger). Von dort aus soll es einmal süd-westlich um die Stadt gehen. Leider gibt es die in der Komoot-App verzeichneten Wege nicht wirklich (geschlossenes Betriebsgelände, nicht vorhandene Schleichwege), so dass wir gemütlich an der E20 entlang so weit fahren, bis wir die viel befahrenen Routen endlich verlassen können.
Dann wird die Tour deutlich schöner. Über kleine Wege, durch Wald und immer mit wenig Verkehr. Der Weg biegt nun auf einen „Single-Track Weg“ ab, der als kleiner Pfad durch den dichten Wald führt. Gut, dass kein Gegenverkehr kommt. Als wir dann auf Planken über kleinere Sumpfstellen fahren müssen, wird es schon etwas anstrengender. Aber auch die meistern wir gekonnt.
Und dann…. Ja, dann kommt ein Weg, der über einige Kilometer nur aus Steinen und Wurzeln besteht. Ein Hoch auf die Erfindung von gefederten Lenkern und Satteln. Nun sind wir beide ziemlich fertig, finden aber noch eine schöne Stelle, um für Annikas Mutter Rita ein Geburtstags-Video aufzunehmen. („Ja må hun leve uti hundrede år“).
Dann geht’s weiter. Über Stock und über Stein, könnte man sagen. Sobald wir jedoch Mariestad wieder näherkommen, werden auch die Wege besser. Vorbei am Yachthafen geht es noch eine Runde um den Dom und dann wieder zurück zum Auto.
Nun kommt der richtig gute Teil des Tages. Einkehr im Tandoori, einem wirklich guten Inder, den wir bereits zweimal besucht haben. Es gibt mit Chicken Tikka eine leckere Vorspeise aus gegrillten Hühnchen und danach Butter Chicken für Annika und Madras Chicken für Clemens (alle Gerichte auf der Karte haben als Schärfegrad zwischen 0-2 Chilis angegeben. Dieses hat 4…. Sehr scharf, sehr lecker. Besser kann es kaum werden.
Nach dem Essen geht es noch kurz einkaufen, wenn wir schon mal in der Nähe eines Ladens sind. Hier sind wir inzwischen Profis, so dass der Einlauf schnell von der Hand geht.
Von Essen und Fahrradtour geschafft wollen wir nur noch nach Hause. Die 50 Km sind für schwedische Verhältnisse noch nicht mal weit. Wäre da nicht die Motorkontrollleuchte, die plötzlich hellorange vor sich hin leuchtet. Wir stellen fest, dass die Lampe ja nur leuchtet und nicht blinkt und fahren weiter bis nach Haus. Da werden wir uns Morgen wohl mal drum kümmern müssen.
Um 22:00 Uhr liegen alle völlig fertig im Bett.
28.08.2026
Kann man nicht einmal im Urlaub ausschlafen? Das frühe Aufstehen ist doch nicht normal. Das machen die doch sonst nicht, wenn sie es nicht müssen. Egal, ich bleibe einfach liegen, kneife die Augen fest zu und tue so, als ob ich nichts mitbekomme.
Aber ein bisschen muss ich doch lauschen, als Mama telefoniert. Es geht irgendwie um einen Popel – igitt - und das da was bei dem leuchtet und das soll es nicht. Nee, leuchtende Popel sind auch irgendwie eklig. Oder hat sie Opel gesagt?
Egal, nach dem Telefonat macht sie Frühstück, also verlasse ich das warme Bettchen und begebe mich auf meine strategisch günstige Bettelposition. Bei Mama fällt gerne was runter (unfreiwillig) und bei Papa auch (freiwillig).
Dann telefoniert Mama schon wieder, diesmal in einer Geheimsprache. Bestimmt damit ich es nicht verstehe. Ob sie eine Überraschung für mich planen? Verdient hätte ich es ja! Zumindest geht Papa mit mir ne Runde Frisbee spielen. Das ist schon ein guter Anfang.
Dann fahren wir los. Ich bin ja schon sooo aufgeregt. Hundestrand? Hundewald? Hundestrand der in einem Hundewald liegt? Sind wir bald dahaaaa? Als wir endlich stoppen, steigen Mama und Papa aus und lassen mich in meiner Box. Okay…
Irgendwann geht die Fahrt dann weiter. Aber Moment, der Mann am Steuer riecht nicht wie Papa und sieht auch nicht so aus. Und wo ist überhaupt Mama? Hilfe, ich werde entführt! Auf die Überraschung hätte ich auch verzichten können, ehrlich.
Am Ende wird dann doch alles gut. Scheinbar bin ich angsteinflößend genug als Wachhund und der Mann steigt wieder aus und Mama und Papa kommen zurück zu mir. Irgendwie wirken sie erleichtert. Aber nicht darüber, dass ich das Auto so tapfer verteidigt und den Entführer in die Flucht geschlagen habe. Sondern sie faseln was von „nur der Sensor kaputt“, „können sorglos weiterfahren“ und „Werkstatt zu Hause“. Na, sie hätte ruhig mal Dankeschön sagen können.
Wenigstens gibt es nun einen Spaziergang zwischen ganz vielen roten Häusern. Ich glaube, hier war ich schon mal. Sie riechen schon sehr alt und in einige kann man reingucken. Andere Tiere gibt es da auch, müssen Höllenhunde sein, denn die haben Hörner auf.
Und dann liegt dieser verführerische Duft in der Luft! Ja, bitte weiter, die Richtung stimmt. Es wird immer intensiver, fast da… ja, geschafft. Brave Eltern. Mal hören sie auf ihren Lieblingshund. Kurz darauf kommen sie mit dampfenden Tellern an unseren Tisch. Und wer kann meinem Blick schon widerstehen. Natürlich bekomme ich auch meinen Teil ab. Es schmeckt uns dreien köstlich. Und auch vom Nachtisch darf ich probieren. Ist okay, aber viel zu wenig Fleisch.
Dann fahren wir wieder ein Stück.
Nun setzt Mama den Papa auf einem großen Parkplatz aus. So schlecht benommen hat er sich doch gar nicht. Aber nach einigen Minuten kommt er wieder angeschlichen. In der Hand hat er eine komische Tube, eine Tüte mit Blaubeerkuchen und einer Zitrone. Igitt. Und irgendwie fehlt das Fleisch. Aber beim Kuchen will ich mal nicht so sein.
Auf der Rücktour halten wir noch mal. Während Mama das Auto auffüllt, macht Papa Bilder von alten Sachen.
Schließlich geht es auf eine großen Parkplatz mitten im Wald und dann ein kleines Stück über Stock und über Stein und gerade, als es Spaß macht, drehen wir schon wieder um. Papas blöde Hüfte streikt. Naja, vielleicht ist es besser er macht heute halblang als das wir auch in der kommenden Woche dieses Seniorenprogramm durchziehen. Nur das Fahrradfahren, das haben sie drauf. Ist ja auch ganz schön.
Zu Hause angekommen werde ich schon wieder gegängelt. Da hab‘ ich gerade etwas Spannendes entdeckt, aber Mama ruft gleich, dass ich nicht mit Hornissen spielen soll. Dabei sah die so nett aus. Nix darf man.
Zur anstehenden Siesta bin ich aber wieder versöhnt und bin gespannt, was heute noch so auf den Tisch kommt.
Antwort: Nix dolles. Brot und Fisch und ein bisschen Käse, den ich natürlich vehement einfordere.
Nach dem Essen wird es noch doller. Erst spielen Sie karten und dann spielen sie Fangen mit Hornissen. (Anm. d. Red.: ca. 50m neben dem Haus befindet sich ein Hornissennest in einem toten Baumstamm). Als ich das heute Nachmittag wollte, durfte ich das nicht. Und jetzt darf ich auch nicht mitspielen. Voll gemein! Irgendwann haben sie die Hornissen dann nach draußen verfrachtet. Eine saß dabei die ganze Zeit in Muttis Haaren und sie ist dann langsam raus auf die Terrasse mit der gegangen. Also hat eigentlich die Hornisse Mutti gefangen. Die zweite ist aus dem Fenster geflohen. Dann haben sie auch noch fliegende Mäuse beobachtet. Da muss wirklich was drin gewesen sein, in dem Rest Naan Brot, das es zum Abendbrot gab.
Jedenfalls wollte ich nach der Aufregung zu Bett, aber die Alten haben erst noch zu ende gespielt. Nun ist aber endlich Ruhe und ich kann den Tag im Schlaf noch einmal Revue passieren lassen.
29.08.2026
Unglaublich, schon eine Woche rum. Auf der einen Seite fühlt es sich so an, als wären wir erst gestern angekommen, auf der anderen, als ob wir schon mehrere Wochen unterwegs sind. Spricht also alles für einen gelungenen Urlaub. Und selbstverständlich wollen wir auch den heutigen Tag nutzen. (vor allem, da der Wetterbericht ab heute Abend mäßiges, bis sehr nasses Wetter hervorsagt).
Nach dem Frühstück geht es also in Richtung Örebro, wo mal wieder eine Einkaufstour ansteht. Der Kühlschrank ist grad ziemlich leer und da müssen wir Abhilfe schaffen. In Örebro gibt es auch einen ICA Maxi und auf dem Weg dorthin einige Orte, die einen näheren Blick lohnen. Auf geht’s!
Auf ca. halber Strecke liegen zwei Naturreservate, die unmittelbar aneinandergrenzen und bei denen die Gefahr gering scheint, dass sie am Samstag überlaufen sind. Das erste ist Broby äng, das aus einem dichtbewachsenen Waldgebiet besteht. Sehr liebevoll hat der örtliche Naturschutzverein eine Karte gefertigt, in der die Sehenswürdigkeiten (wie alte Bäume, Naturdenkmäler etc.) verzeichnet sind. Der Weg ist rd. 1 Km lang, sehr kurzweilig und führt über einen kleinen Hügel z.T. durchs dichte Unterholz. Wir entdecken einen frisch genutzten Fuchsbau, können aber der Eingebung widerstehen, dort anzusitzen. Vor allem der Hund möchte gerne weiter. Erschwerend kommt hinzu, dass entgegen der Voraussage 24 °C sind und die Luftfeuchtigkeit bei knapp 99 % liegt. Leider sind deshalb auch nur sehr wenige Vögel zu erspähen und das Mitbringen des großen Teleobjektives dient mehr der körperlichen Ertüchtigung als der Fotografie.
Dann geht es weiter auf die andere Seite, dem Nalavibergs ekeng. Also einer Wiese mit vielen Eichen. Wir hoffen etwas darauf, in einem Astloch einen Waldkauz entdecken zu können und scannen hierfür nahezu alle Bäume (es sind sehr viele) mit Kamera und Fernglas ab. Leider müssen wir uns mit einem Foto seines Gewölles (es scheint Ratte zum -Frühstück gegeben zu haben) vorliebnehmen. Diese sind in der Tat beeindruckend und wir folgen einem kleinen Pfad auf dem Kamm des Hügels bis wir wieder auf die Zufahrtsstraße nach Broby kommen. Dort geht es dann über wenig vertrauenserweckende Leitern über den Zaun auf den Rückweg. Hier kommen wir wieder in dichten Wald. Immer wieder sind Leitern zu überwinden, die immer abenteuerlicher wirken. (Immer höher, immer wackeliger und zum Teil ohne Geländer). Der Hund macht allerdings eine sehr gute Figur beim Überwinden der Hürden. Unsere Kür bleibt eher durchschnittlich und wir sind froh, dass James keine Nummernkarten hochhalten kann. Die Natur ist weiterhin einzigartig und wir genießen den Weg, auch wenn sich die knapp 3 Km sehr lang anfühlen. Wie groß aber unsere Freude, wenn wir eine der spärlich gestreuten Wegemarkierungen finden. Zu guter Letzt finden wir dann aber doch das Auto wieder, machen eine kurze Picknickpause und beschließen den eigentlich für den Nachmittag geplanten Spaziergang in der Nähe von Örebro auf einen anderen Tag zu verschieben.
Dann geht’s in die große Stadt (Örebro hat knapp 130.000 Einwohner) und ist damit Schwedens 7. Größte Stadt. Am Rande einer solchen Stadt an einem Samstag in ein Einkaufszentrum zu gehen ist bei genauer Überlegung keine gute Idee. Diese Erkenntnis bestätigt sich umgehend. Dennoch besuchen wir nacheinander (der Hund soll nicht alleine im Auto warten) eine Buchhandlung, um herauszufinden, dass die Dichte unserer Schwedenbesuche die Schreibfrequenz unserer Lieblingsautoren übersteigt. Eine Erkenntnis reicher geht es dann weiter zum ICA. Hier sind wir inzwischen Vollprofis. In kürzester Zeit finden wir die Dinge, die wir brauchen und fahren mit voll beladenem Auto zurück. Auch für den Hund ist etwas Leckeres dabei. Aus ästhetischen Gründen beschreiben wir dies hier nicht näher.
Vor der Abfahrt besuchen wir noch einen sehr nördigen Laden: BILTEMA. Annika hätte gerne einen (fast ebenso nördigen) Elchaufkleber auf dem Opel. Das macht ihn zwar auch nicht zum Volvo, aber immerhin. Zwischen allen möglichen Dingen, die keiner braucht (wir finden u.a. mehrere Tuning-Sets und Pornofelgen) werden wir nicht fündig und gehen etwas verstört aus dem Laden (der vermutlich jedes Ersatzteil für alle in den letzten 30 Jahren gebauten PKW führt).
Dann aber nichts wie nach Haus. Dort stellt sich Annika sogleich an den Herd und bereitet ein sehr leckeres Thaiessen mit Hühnchen, echtem Thaibasilikum und in Roikier gezüchteten Chilis zu. Das Ganze schmeckt so gut, dass keine Reste übrigbleiben.
Dann spielen wir noch eine Runde Karten (dieses langweiligerweise bei geschlossenem Fenster, um ungebetene Gäste draußen zu halten) und gehen erschöpft ins Bett. Ein schöner, wenn auch anstrengender Tag neigt sich dem Ende zu. Morgen soll es regnen. Da das Wetter bisher mehr als gut war, stören wir uns daran nicht wirklich.
30.08.2026
Heute ist es trüb und regnerisch. Daher lassen wir es langsam angehen, frühstücken ausgiebig, verdödeln etwas den Vormittag, Clemens schreibt Tagebuch und gegen Mittag überlegen wir, was wir heute machen wollen. Eines steht auf jeden Fall fest: Wir werden heute nicht in den Nationalpark fahren. Das dürfte am Sonntag, selbst bei schlechterem Wetter, die Hölle sein.
Also wird Dr. Google gefragt. Unsere geneigten Leser dürften wissen, was dabei rauskommt, wenn Annika sagt: „Ich habe einen schönen Weg gefunden, der ist auch nicht so lang und bestimmt nicht so überlaufen.“ Also Fotosachen gepackt, Proviant im Rucksack verstaut und los geht es.
Unser Ziel ist der Kvarnfallet („Mühlenfall“) beim Gårdsjö, nur etwa 20 Minuten von unserem Haus. Gegen 13.30 Uhr kommen wir los. Am Parkplatz hängt zum Glück eine Karte der verschiedenen Wanderwege, denn die waren bisher im Netz nicht zu finden. Wir entscheiden uns für den kürzesten mit ca. 3,5km. Er soll laut Beschreibung zwar stellenweise etwas unwegsamer sein, die Alternativen sind aber nicht nur deutlich länger, sondern werden auch als wesentlich anspruchsvoller beschrieben. Also auf zur gelben Runde.
Sie soll direkt am Wasserfall starten. Nur finden wir den leider nicht. Dafür weist ein gelber Pfeil einmal den Hauptweg entlang und einmal in den Wald hinein. Wir wollen den unwegsameren Teil zuerst gehen, also schlagen wir uns in den Wald. Die gelben Markierungen sind zwar nicht mehr zu sehen, aber immerhin gibt es einen Trampelpfad, den wir entlangstapfen. Und stapfen und stapfen und stapfen. Von einer erneuten gelben Wegmarkierung fehlt jede Spur, dafür wird der ohnehin schon schmale Pfad immer schmaler und überwucherter. Irgendwann stehen wir im Dickicht und wissen nicht so recht weiter.
Beim Umsehen erblicken wir eine Art Hüttendach etwa 150m von uns entfernt. Die Karte, die wir extra abfotografiert haben, bringt uns leider gar nichts, also beschließen wir uns quer Feldein zu dieser Hütte durchzuschlagen. Der Hund springt munter voran, wir arbeiten uns hinterher. Wie schon gestern ist die Luftfeuchtigkeit recht hoch und so steht uns bereits nach diesen wenigen hundert Metern der Schweiß auf der Stirn. Aber wir schaffen es, kommen an den Hütten an und stellen fest: Wir sind im Kreis gelaufen und praktisch wieder oberhalb des Parkplatzes angekommen. Etwas konsterniert machen wir erst einmal Rast. Währen wir so auf der Picknickbank sitzen, checkt Annika nochmal die Bilder vom Wasserfall, der hier ja irgendwo sein muss. Und dann die Erkenntnis: Wir sitzen drauf! Der Wasserfall ist trockengefallen und mit diversen großen und kleinen Gewächsen überwuchert. Nun denn, hätten wir das schonmal geklärt. Aber was ist nun mit dem Wanderweg?
Wenn es gegen den Uhrzeigersinn nicht geklappt hat, dann eben mit ihm. Der Weg ist eh angenehmer, weil er auf dem Schotterweg verläuft. Ist also doch nicht so schwierig zu laufen.
Nach etwa einem Kilometer zeigt der Wegweiser wieder in den Wald hinein. Und dann beginnt das Abenteuer. Der Weg ist nicht anders als beim ersten Versuch. Allerdings finden sich diesmal an den Bäumen deutliche gelbe Markierungen. Heidekraut, Blaubeeren und Farn bedecken den Boden und wir müssen höllisch aufpassen, wo wir unsere Füße hinsetzten. Nur der Hund peest von links nach rechts und kann sein Glück kaum fassen. Einige steile An- und Abstiege lassen Annika an ihre Frage an sich selbst vom Parkplatz denken: „Brauchen wir unsere Wanderstöcke? Ach nee, wird sicher nicht so schlimm werden…“ Wir schwitzen und fluchen, aber wir genießen auch diesen unglaublich urigen Wald. Man hört einfach nichts und es duftet nach Harz und Erdboden. Und wir sind uns einig: Auch wenn es furchtbar anstrengend ist – wir würden gerade niemals gegen einen überfüllten, wenn auch gut begehbaren Wanderweg im Tiveden tauschen
Je tiefer wir in den Wald vordringen, desto feuchter wird die Luft und umso mehr Mücken und Hirschlausfliegen sind unterwegs. Annika ist froh, zumindest ihren Mückenschutzhut mitgenommen zu haben. Es ist zwar darunter noch um einiges Wärmer und die Sicht wird durch das Netz und das Beschlagen der Brille nicht gerade besser, aber das lästige Ungeziefer wird erfolgreich abgewehrt.
Andere Tiere sehen wir leider kaum. Nur ein Auerhahn fliegt plötzlich auf und verschwindet so schnell wieder, wie er gekommen war. Eine Feder lässt er aber für uns da, die später in Clemens Birdingbuch eingeklebt werden wird. Und auch Spuren von Elchen und Wildschweinen sind reichlich vorhanden, die Verursacher der jewiligen Hinterlassenschaften lassen sich aber nicht blicken.
Aber auch der anstrengendste Weg hat irgendwann ein Ende und die Spannung steigt, wo dieses Ende denn nun sein wird. Und siehe da: es ist exakt an der Picknickbank, an der wir uns noch vor 2 Stunden für den Weg gestärkt haben. Warum es einen gelben Wegweiser in die Wallapampa gibt, wird auf ewig das Geheimnis desjenigen bleiben, der diese Markierungen mal gesetzt hat.
Wir sind nicht böse, als wir am Frühen Abend wieder in unserem Häuschen sind. Vom Hund sammelt Annika locker 30 Zecken ab und auch wir blieben doch nicht verschont. Zum Glück lassen sich Zecken und Hirschlausfliegen entfernen, bevor sie sich festgebissen haben. Den Rest erledigt die Dusche.
Zum Abendessen gibt es panierten Dorsch mit Kartoffelsalat. Nach diesem Marsch schmeckt es doppelt so gut. Im Rückblick war der Weg absolut die Anstrengung wert. Aber Annika wurde ihrem Ruf, eher besondere Wanderwege zu finden, mal wieder gerecht.
31.08.2026
Schon ist der August wieder zu Ende aber zum Glück haben wir noch eine ganze Woche Urlaub vor uns. So langsam haben wir uns auch eingegrooved. Der Kaffee hat die richtige Stärke (3 Kaffeelöffel) und der Toast wird auch knusprig, ohne die Rauchmelder auszulösen. Wie jeden Tag fangen wir auch heute mit einem vernünftigen Frühstück an. Das Wetter weiß ohnehin noch nicht so ganz, wohin es will, und deswegen haben wir es auch nicht eilig. Während Annika am Tagebuch arbeitet und Bilder der letzten Tage durchsieht, nimmt Clemens seinen schwedischen Krimi zur Hand, der auf den letzten Metern immer spannender wird.
Am späten Vormittag machen wir dann aber los zum Wandern. Eigentlich ist der Wanderweg Gimpeln das Ziel der Wahl, aber schon die Zufahrt ist so zugewachsen, dass wir gar nicht erst versuchen den Weg zu finden. Deshalb geht es ein paar Kilometer weiter zum Wanderweg Rockebro. Wieder nicht lang (knapp 2,5 Km) aber quer durch die schwedische Wildnis. Ein toller Weg mit vielen Eindrücken und dem klaren Verständnis für die Menschen, die fest an Trolle und Feen glauben. Auf dem Weg finden wir unseren ersten Birkenpilz und nehmen ihn auch gleich mit nach Hause zur Verfeinerung des Abendessens.
James findet den Weg mindestens so spannend wie wir und läuft mindestens die dreifache Strecke. Er eilt immer voraus, bis ihm einfällt, dass er ja nicht alleine ist und dann kommt er schnell wieder zurück. An einer Stelle zeigt er uns ein Eichhörnchen, von denen er schon immer fasziniert war. Nur an den Stellen, an denen es so aussieht, als ob Wildschweine dort ihre Tage verbringen, muss er dicht bei uns bleiben. Es gibt so Begegnungen, auf die auch wir wenig Lust verspüren.
Nach der „Wanderung“ geht es dann erstmal nach Askersund, da wir noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen müssen. Vorher meldet sich aber der kleine Hunger und wir gehen zum Hafen. Hier gibt es leckere Pita. Clemens bekommt einen mit Krabben in einer Chili-Zitronen Marinade und Annika das Modell mit in Honig mariniertem warmgeräuchertem Lachs. Sehr empfehlenswert. Und weil Fisch so gesund ist, gibt es hinterher noch ein Softeis mit bunten Streuseln und schwedischer Fahne. Wirklich lecker. Inzwischen ist es etwas kühl geworden, so dass wir schnell einkaufen und dann den Heimweg antreten. (Unterwegs jagt Annika noch schnell ein paar Hirschlausfliegen in Clemens‘ schütterem Haupthaar. - Haben die denn so gar keinen Stolz??).
Am frühen Abend geht es dann noch mal los auf Elchsafari. Wir fahren die nun schon vertrauten Wege Wir und starren rechts und links aus dem Auto. Die ganz großen Geräte im Anschlag. Leider ist das Glück uns heute nicht hold und wir sehen so gar nichts. Stundenlang in den halbdunklen Wald zu starren hat aber etwas sehr Meditatives.
Dann endlich nach Hause zum Abendessen. Pfeffersteak mit Kartoffeln und Pilzsoße. Unsere Mägen knurren und wir freuen uns Beide auf ein schmackhaftes Mal mit dem selbstgesammelten Birkenpilz. Es soll keine giftigen Pilze geben, die diesem ähnlich sehen, so dass die Chance auf einen weiteren Tagebucheintrag am morgigen Tage durchaus wahrscheinlich ist.