Prolog
Es begab sich zu der Zeit, dass Annika auf die irrwitzige Idee kam, ein paar Ihrer Fotos beim Charity Dog Photo Award einzureichen. Das Startgeld sollte unterschiedlichen Tierschutzorganisationen zugutekommen. Also selbst wenn keines ihrer Bilder prämiert würde – denn das war nahezu auszuschließen bei der Konkurrenz – so hätte sie doch zumindest etwas Gutes getan.
Und dann kam es doch anders: „Herzlichen Glückwunsch, Dein Bild hat den ersten Platz in der Kategorie Studiofotografie gewonnen! Wir freuen uns, wenn Du am 10.10.2026 an der Gewinnerzeremonie in Wien teilnehmen würdest.“
…
07.10.2026
Nun ist es also so weit. Heute beginnt unser Mammuttrip nach Wien. Da wir beide noch arbeiten müssen und Clemens eine Kreistagssitzung hat, kommen wir erst gegen 19 Uhr in Schleswig los (da hat Annika mit James bei Ihren Schwiegereltern nämlich auf Ihren Göttergatten gewartet).
Unser erster Stopp heißt Dresden. Es ist etwas mehr als die Hälfte der Strecke (ca. 600km) und das Navi behauptet, wir kämen gegen 1 Uhr nachts an. Dann hoffen wir mal, dass es Recht behält.
Die erste Hälfte fährt Clemens. Erstaunlicherweise kommen wir sehr gut durch und die gefürchteten Nadelöhre B205 und B404 durch und liegen voll im Zeitplan, als wir an der A24 in Prignitz-Ost einen Fahrerwechsel machen.
Um Berlin wird es dann etwas zäher. Aus unerfindlichen Gründen ist das Tempo auf der Autobahn überweite Strecken auf 100, zeitweise sogar nur auf 80 reduziert. Es ist wahrlich eine Herausforderung bei komplett freier Strecke das Tempo zu halten. Aber das Risiko geblitzt zu werden, will Annika dann doch nicht eingehen.
Laute Musik (der Deutschrock Stream von RadioBob wird mit fortschreitender Stunde immer skurriler) lässt die Fahrt aber immerhin etwas kurzweiliger erscheinen. Und so rollen wir tatsächlich gegen 1 Uhr auf den Hof des a&o Hostel in Dresden.
Da das online einchecken nicht funktioniert hat, muss eine etwas lustlos wirkender jungdynamischer Portier uns auf die oldschool Weise einchecken, was ihm sichtlich langweilt. Wir sind wohl nicht die Zielgruppe, die er sonst im Hostel gewohnt ist. Uns ist es aber egal, wir wollen nur noch auf das Zimmer und zu Bett.
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So richtig in den Schlaf finden wir jedoch nicht (bis auf den Hund, der es sich erst in Clemens und später in Annikas Bett ausgiebig bequem macht). Frühstück gibt es ab sieben Uhr, mal sehen, wann wir wach werden…
08.10.2026
4 Stunden Schlaf sind zu wenig! Trotzdem steht Annika um sieben auf und dreht mit James ne kleine Runde. Ihre Müdigkeit lässt sich ab besten mit folgender Szene beschreiben: Annika blickt aus dem Fenster und sagt versonnen: „Schau mal, von hier kann man sogar die Frauenoper sehen!“ Diese Wortvermischung aus Frauenkirche und Semperoper wird für den restlichen Tag als Wortwitz herhalten.
Beim Frühstück stellen wir fest, wir sind zu alt für ein Hostel. Zusammen mit diversen Schulklassen an Gruppentischen zu essen. Es fehlt nur noch der Hagebuttentee. Das Frühstücksangebot ist okay, der Kaffee grauenhaft und die laute BumBumMusik im Frühstücksraum treibt uns bald wieder los.
Um halb zehn ist für uns Abfahrt. Die letzten knapp 600km stehen an. Diesmal übernimmt Annika den ersten Teil. Es dauert nicht lange und schon sind wir in Tschechien. Vor allem die Strecke um und durch Prag ist anstrengend zu fahren und erinnert an unsere abenteuerlichen Touren durch Göteborg. Stop and Go prägen den Weg. Aber irgendwann lassen wir das hinter uns und rollen gen Brno. Es ist später Mittag und ein Hüngerchen überkommt uns. Clemens findet ein kleines Restaurant nicht weit von der Autobahn.
Der Hund freut sich, sich mal wieder die Pfoten etwas vertreten zu können und auch wir können eine Fahrpause nun gut gebrauchen.
Die Nette Bedienung serviert uns Suppe mit Weißen Bohnen und Kartoffeln, sowie Schweinemedallions mit Bratkartoffeln für Clemens und für Annika ein Kichererbsenragout mit Kohl und Tomatensalat und ein kreatives Dessert mit Birne, weißer Schokolade und Käse als kunstvolles Birnenimitat. Es schmeckt alles prima, macht aber auch gut satt.
So gestärkt übernimmt Clemens das Steuer. Nun geht es bald ab nach Österreich. Auf dern Gegenfahrbahn zieht sich eine viele Kilometer lange Schlange von vielen LKW und wenigen PKW über den Grenzübergang. Dort durchzukommen, muss Stunden dauern. Wir beschließen, auf dem Rückweg über Bayern zu fahren.
Bis Wien geht es relativ flott. Und stehen wir. Oder kriechen maximal. Im Radio spielen sie „Vienna calling“ von Falko – wir würden dem ruf ja gerne folgen, aber es ist kein Durchkommen. Die langsame Autokarawane schleicht Kilometer für Kilometer vor sich hin. Nach über einer Stunde (für 15km) sehen wir Blaulichter, Polizeiwagen, die Straßenteile absperren und vermummte SEK-Beamte samt diverser Zivilfahrzeuge, die um ein Auto herumhantieren. Die Scheiben sind eingeschlagen, der Kofferraum wird gerade durchsucht. Diese Aktion hat also den Verkehr lahmgelegt. Nun gut, sie werden ihre Gründe gehabt haben.
Endlich sind wir am Hotel. Nach einer kurzen Pause machen wir einen kurzen Zug durch unser Quartier. Es liegt direkt gegenüber vom Westbahnhof an einer mehrspurigen Straße mit U-Bahn- und Tramanschluss. Von Ruhe verwöhnte Landohren sind das hier nicht gewohnt. Aber für die drei Nächte wird es schon gehen. Erinnert an früher, an Berlin. Warum wir – oder besser Annika es ausgewählt hat? Das wird später noch verraten.
Schließlich begeben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant fürs Abendessen. Es soll typisch wienerisch sein und diese Kriterien erfüllen einige Brauhäuser in der Gegend. Überhaupt reiht sich hier ein Restaurant an das andere, irgendwas werden wir schon finden. Zum Glück sind auch zwei Inder dabei…
Im ersten Brauhaus haben wie leider kein Glück, alles voll. Auch im zweiten sieht es nicht besser aus. Dabei ist doch mitten in der Woche. Beim Dritten rufen wir vorher sicherheitshalber an, damit wir nicht weiter planlos durch den mittlerweile einsetzenden Regen irren. Und wir haben Glück. Im Brauhof Wien haben sie noch ein Plätzchen für uns. Wir schlemmen uns durch Wiener Schnitzel und Fiakergulasch und genießen das hauseigene Bier.
Müde, satt und zufrieden kehren wir ins Hotel zurück, wo der Hund uns schon sehnsüchtig erwartet. Naja, zumindest bequemt er sich zur Begrüßung doch irgendwann mal vom Bett, auf dem er in unserer Abwesenheit tief und fest geschlummert haben muss. Und weil er nun mal der beste Hund der Welt ist, bekommt er den Rest von Annikas Schnitzel.
Dann heißt es für uns Schlafenzzeit. Morgen steht Sightseeing auf dem Programm. Das Wetter zumindest soll dafür perfekt sein!
Fortsetzung folgt...